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Das Vereinshaus

Postkarten-Motiv: Casino Wolkenburg

Die „Wolkenburg“ am Mauritiussteinweg ist das Vereinshaus des Kölner Männer-Gesang-Vereins. Mit der feierlichen Eröffnung des Wiederaufbaus eines ehemaligen Klosters findet die wechselhafte Geschichte des im Zweiten Weltkrieg völlig zerstörten Gebäudes und die Suche des Vereins nach einer festen Heimstatt am 29. Dezember 1960 ihr vorläufiges Ende.

Die Wolkenburg am Mauritiussteinweg

Unweit der Pfarrkirche St. Mauritius beziehen 1144 aus Köln stammende Benediktiner-Nonnen des Kloster Rolandswerth (heute Nonnenwerth) ihren neu errichteten Konvent. Den wehrhaften Bau außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer haben einflussreiche Kölner Familien unterstützt, um ihre Töchter in direkter Nähe zu wissen. Noch schließen die mittelalterlichen Wohn- und Wirtschaftsgebäude unmittelbar an das Kirchenschiff von St. Mauritius an. Erst nach mehreren Um- und Neubauten im 18. Jahrhundert grenzt ein barockes Geviert samt Innenhof unmittelbar an die Straße. Bis zur französischen Besatzung besteht das Kloster fort. 1802 übernimmt ein Privatmann im Zuge der Säkularisierung unter Napoleon das Klosterareal, das kurze Zeit später an die Stadt Köln fällt.

Zwischen 1827 und 1829 erwirbt der Alexianer-Orden (in Köln nur „Lungebröder“ nach ihrem vormaligen Domizil in der Lungengasse genannt) das Gelände. Die katholischen Laienbrüder erweitern das Gebäude um einen zweiten Wirtschaftshof nach Süden inklusive eigener Kapelle. Die Ordensgemeinschaft nutzt die damals doppelt so große Wolkenburg als Krankenpflegeheim. Für sich und ihre männlichen Heimbewohner brauen die Mönche dort auch in der seit 1828 im Brauregister eingetragenen Alexianer-Anstalts-Brauerei eigenes Bier. Nach dem Umzug der Alexianer-Brüder 1902 in die Bachemer Straße nach Lindenthal (heute Hildegardis-Krankenhaus) wird die Stadt Köln Hausherr. Sie nutzt das seit der Stadterweiterung (Schleifen der Stadtmauern ab 1880) innerstädtisch liegende Gebäude als Kunstgewerbeschule, ab 1925 als Rheinische Musikschule.

Der Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs zerstört die Klostergebäude in der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1942 völlig – allein das charakteristische Tor zum Innenhof bleibt erhalten. Der Schutthügel am Mauritiussteinweg prägt viele Jahre das Straßenbild. 1959 legt der KMGV den Grundstein für die denkmalgerechte Rekonstruktion des barocken Klostergebäudes (nach Plänen des Regierungsbaumeisters a.D. Architekt BDA Karl Band und dem Vorstandsmitglied Architekt BDA Bruno Janssen) als Ersatz für das kriegszerstörte Vereinshaus am Cäcilienkloster. Denn eine Rückkehr ist ausgeschlossen: Die Nord-Süd-Fahrt tilgt die alte Adresse „An der Wollküche“ vom Stadtplan. Am 29. Dezember 1960 feiert der KMGV den Einzug in das neue Vereinsheim, das in Köln schlicht „Wolkenburg“ genannt und am 1. Juni 1980 als Nummer 94 in die Denkmalliste der Stadt aufgenommen wird.

KMGV auf Wanderschaft

Die zurückliegenden 50 Jahre, in denen die Wolkenburg am Mauritiussteinweg dem KMGV als Heimstatt dient, lassen die Erinnerung daran verblassen, dass dem Chor nicht immer ein so prächtiger Raum für seine Proben und Konzerte zur Verfügung stand. Nach der Gründung des KMGV in einer Privatwohnung (Haus Wessel, Georgstr. 7) findet die erste Versammlung inklusive Wahl und Probe im Gasthof „Zum Bönn’schen Hof“ (Waidmarkt 39) statt. Bis zum Ende des Gründungsjahres 1842 mietet der KMGV Probenräume in der Musikalienhandlung Eck & Co. (Hohe Straße 113). Zwischen 1843 und 1862 bietet die Brauerzunft (Schildergasse 96) dem Kölner Männer-Gesang-Verein Obdach. Hier findet am 16. Februar 1843 auch das erste öffentliche Konzert des KMGV statt – zugunsten der Kölner Armenschulen. Von 1862 bis 1872 mietet der Chor die baufällige Rathauskapelle (Rathausplatz, heute archäologische Zone). Von 1874 bis 1942 probt und konzertiert der KMGV in seinem ersten eigenen Vereinshaus „An der Wollküche 1-3“ (heute Nord-Süd-Fahrt). Die Kriegszerstörung dieses Gebäudes (1942) und eines Neuerwerbs am Deutschen Ring (1943) zwingen dem KMGV weitere 17 Jahre Wanderschaft auf, bis er 1960 das wiedererrichtete Klostergebäude Mauritiussteinweg als Vereinshaus bezieht.

Erstes Vereinshaus am Cäcilienkloster

Am 11. Februar 1874 nimmt der Kölner Männer-Gesang-Verein sein erstes eigenes Vereinshaus in Besitz. Die Gebäude „An der Wollküche 1-3“ in unmittelbarer Nachbarschaft zum Cäcilienkloster sind gerade vom Architekten Heinrich Nagelschmidt für die Zwecke des KMGV umgebaut und restauriert worden. Neben einem schlichten Wohnhaus steht ein repräsentativer Bau aus dem Jahr 1456, der wegen seiner gotischen Fassaden im Volksmund „kleiner Gürzenich“, seiner charakteristischen Zinnen wegen im KMGV nur „Burg“ genannt wird. 1911/12 wird das Wohnhaus dem Vereinsheim zugeschlagen, um größere Proben- und Aufführungsräume zu schaffen. Nur zwei Wochen nach der 100-Jahr-Feier des KMGV brennt das Vereinshaus „An der Wollküche 1-3“ in der „Nacht der 1000 Bomben“ (30./31. Mai 1942) bis auf die Außenmauern nieder.

Erstmalig erwähnt wird das Ensemble zu Anfang des 13. Jahrhunderts (1231/1244) in den Schreinsbüchern des Pfarrbezirks St. Peter als „Hof Wolkenburg“. Bei der Gründung der Bühnenspielgemeinschaft im KMGV verknüpfen die Sänger die Namen des gegenüberliegenden Klosters und des Vorgängerbaus Ihres Vereinshauses zu „Cäcilia Wolkenburg“. Der Name Wolkenburg als Synonym für das Vereinshaus wird erst für die Immobilie am Mauritiussteinweg ab 1960 in Köln gebräuchlich.

Im ehemaligen Klostergarten

Einen Teil der ehemaligen Klosteranlage am Mauritiussteinweg belegt heute ein kleiner Park. Auf Anregung des Kölner Männer-Gesang-Vereins benennt die Stadt Köln die Grünanlage im Schatten der Wolkenburg nach Josef Schwartz. Ein Gedenkstein erinnert dort seit dem 19. April 1986 an den Kölner Orchestergeiger, Konzertmeister und Lehrer am Konservatorium, der von 1892 bis 1924 auch Dirigent des KMGV war.